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Kornkammer der Legionen? Landwirtschaft im Römischen Reich zwischen Köln und Kanalküste

Ägypten war die Kornkammer des antiken Rom. Wo aber befand sich die Kornkammer für die Römer an Rhein und Lippe?

War es eventuell das Gebiet, in dem sich ein fruchtbarer Lössboden wie ein langes Band von Köln bis zum Ärmelkanal erstreckte? Ausgrabungen in diesem Landstrich deuten hin auf eine florierende Landwirtschaft, die eine Überschussproduktion anstrebte. Sie trug anscheinend erheblich zur Getreideversorgung des Militärs und der Zivilbevölkerung bei. Zusätzlich bediente sie mit weiteren Produkten einen Absatzmarkt, der sich über die Grenzen von vier EU-Staaten erstreckte. Manche Gutshöfe erreichten enorme Ausmaße und boten den Besitzern erstaunlichen Komfort. Einige Grundrisse dieser Anwesen erscheinen wie Vorbilder für Residenzen des Adels im Zeitalter des Barock. 

Wir gehen auf Spurensuche in einer römischen Landschaft, die zu lange von der Geschichtsschreibung vernachlässigt wurde.

Referent: Ralf Mußinghoff (Augustus Gesellschaft e. V.)

Marcus Antonius – Politiker, Visionär, Lebemann

Geschichte wird vom Sieger geschrieben. Marcus Antonius unterlag im Kampf gegen Octavian, den späteren Kaiser Augustus. Es war ein Kampf um Macht und das politische System. So prägen antike Überlieferungen als Widerspiegelung von Augustus‘ Propaganda noch heute unser Bild des römischen Politikers Antonius als liebestrunkenen Mann, der für Kleopatra das römische Reich verraten haben soll. Doch es gibt antike Quellen, die ein anderes Bild von Marcus Antonius zeichnen: als besonnenen Politiker, der nach Caesars Tod das drohende Chaos abwendete, als Visionär, der die hellenistische Kultur stärker in das römische Reich einbinden wollte, aber auch als Mann, der das Leben liebte und genoss.

In diesem Vortrag soll das Wirken des Marcus Antonius in der turbulenten Zeit der Bürgerkriege nach Caesars Tod nachgezeichnet werden. Es geht um Gegnerschaft und Aussöhnung, um Zweckehen und Liebe, um Verrat und Intrigen, die letztlich das Ende des Antonius besiegelten und Octavian/Augustus den Aufbau des neuen Systems, des Prinzipats, ermöglichten.

Römische Städte in Germanien: Köln, Waldgirmes, Tulifurdum (?)

Waldgirmes, Forum, Foto: Wikimedia Commons, gemeinfrei

Die antike Zivilisation war eine urbane Kultur. Das Römische Reich bestand aus einem Patchwork-Teppich aus Stadtterritorien, die die Infrastruktur für ein „zivilisiertes“ Leben bereit stellten. Etablierte politische Strukturen nach dem Vorbild Roms einschließlich der Rechtspflege ermöglichten einträgliche Geschäfte und boten Sicherheit. Außerdem fanden sich in den Städten einige Annehmlichkeiten wie Thermen, (Amphi-)Theater, Arenen.

Der germanischen Kultur war das Leben in Städten fremd. Es entsprach nicht ihrer Wirtschafts- und Lebensweise. Also gründete Rom Städte in den von ihnen eroberten Gebieten. Am Rhein z.B. Köln, der als zentraler Ort des Kaiserkultes für alle Germanen gedacht war. Laut Cassius Dio begann man auch weit entfernt vom Rhein mit der Anlage von Städten. Historiker nahmen diese Aussage lange nicht ernst.

Inzwischen fand man solche Städte: Waldgirmes hatte ein römisches Forum mit einer überlebensgroßen Reiterstatue (des Augustus?). Bei Marktbreit fanden sich ebenfalls Überreste einer urbanen Struktur. Gab es noch mehr? Es sind eine Reihe antiker Ortsnamen für Germanien überliefert. Aber wo lagen die Orte? Wo z.B. lag die Furt Tulifurdum? An welchem Fluss?