Auf römischen Spuren im Marschlager Wilkenburg


Nur wenige Kilometer südlich von Hannover liegt das größte und bedeutendste Bodendenkmal aus der Römerzeit in Norddeutschland. Hier in Wilkenburg (Stadt Hemmingen) hat höchstwahrscheinlich der spätere Kaiser Tiberius im Zuge der erfolgreichen Niederwerfung eines Germanenaufstandes im Jahre 4 einen Frieden mit den Cheruskern ausgehandelt, der gut und gerne zum Ausgangspunkt der Romanisierung Norddeutschlands hätte werden können.


Dr. Karola Hagemann und Siegfried Gatz bei ihrem Vortrag am Gartenhaus der Augustus Gesellschaft.

Andernorts (Waldgirmes) wurden schon mitten in Germanien planmäßig Städte gegründet und vergoldete Kaiserstatuen auf das brandneue Forum gestellt. Das über 30 ha große Römerlager bei Wilkenburg bot Platz für 20.000 Legionäre, entsprechend drei Legionen, inklusive Tross, Hilfs- und Reitertruppen. Für die verstreut in Siedlungen lebenden Germanen muss das ein beeindruckender Anblick gewesen sein. Und laut antiker Quellen blieben die Römer nicht nur für ein oder zwei Tage, wie es für ein Marschlager typisch gewesen wäre, sie blieben vom Spätsommer bis in den Dezember. Das erklärt auch die für ein Marschlager außergewöhnlich hohe Funddichte und -qualität.


Historische Dekoration mit Münzen und der Maske aus Kalkriese im Garten der Augustus Gesellschaft.

Für den Erhalt des Römerlagers, die Erforschung und Bekanntmachung der römischen Geschichte der Region setzt sich seit 2018 die Augustus Gesellschaft e. V. engagiert ein (https://www.roemerlager-wilkenburg.org/). Dabei geht es nicht zuletzt darum, die größtenteils nie überbaute und erst in geringem Umfang ausgegrabene Fläche für künftige Forschungen ungestört zu erhalten. Ältere Pläne sehen das Gelände für den Kiesabbau vor, wodurch unersetzliche Verluste eintreten würden.


Informationstafel mit Flyern an der Grenze zum Gelände des Römerlagers.


Am 15. Juni 2026 haben im Rahmen des Exkursionsprogramms des Historischen Vereins für Niedersachsen die Mitglieder der Augustus Gesellschaft Dr. Karola Hagemann und Siegfried Gatz einer Gruppe von 32 Interessierten das Römerlager, seine Funde und Befunde im historischen Kontext erläutert und nahegebracht. Das Gelände selbst befindet sich in Privateigentum und konnte daher überschaut, aber nicht begangen werden.


Auf dem Weg vom Infocenter der Augustus Gesellschaft zur Geländeübersicht.

Dr. Karola Hagemann (Vorstandsmitglied der Augustus Gesellschaft e. V.) und Dr. Nicolas Rügge (Vorsitzender des Historischen Vereins für Niedersachsen e. V.)

Fotos: Dr. Christian Helbich


Die Kolumne „Hannover historisch“ wird betreut von Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer.