75 Jahre ist es her – die erste Bundesgartenschau in Hannover 1951


Noch während zahlreiche Bereiche in Hannover nach dem Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört lagen und auch die Wohnungsnot groß war, begann man im Jahr 1951 mit prestigeträchtigen Neubauten wie dem Contihochhaus am Königsworther Platz und dem Niedersachsenstadion, man erstellte einen Flächennutzungsplan, um den „autogerechten Stadtumbau“ voranzutreiben, man eröffnete die Constructa-Bauausstellung auf dem neu entwickelten Messegelände, organisierte eine Industriemesse und nahm darüber hinaus auch die erste Bundesgartenschau in Angriff.


Flyer zur aktuellen Ausstellung 2026 im Hannover Congress Centrum


In Planung war dieselbe tatsächlich schon seit 1947, konkreter wurde man ab 1949. Als Standort schlug der hannoversche Gartenbaudirektor Hans-Herbert Westphal (1903-nach 1964) den Stadtpark südlich der Stadthalle vor, der schon 1933 für die „Jahresschau Deutscher Gartenkultur (JADEGA)“ als Gelände gedient hatte. Tatkräftiger Unterstützer von Idee und Standort war der seit 1948 im Amt tätige Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht (1910-1999). Ein Ideenwettbewerb im Mai 1949 mit 63 Teilnehmern brachte als Sieger den Gartenarchitekten Wilhelm Hübotter (1895-1976), der auch schon 1933 mit seinem Entwurf gewonnen hatte, und seinen Sohn Peter Hübotter (1928-2002), der 1949 ein Architekturbüro in Hannover eröffnet hatte, hervor. Der prämierte Entwurf wurde allerdings nicht umgesetzt, stattdessen ein Generalplan von dem freischaffenden Gartenarchitekten Oswald Langerhans (1894-1960) in Absprache mit einem künstlerischen Beirat (Hillebrecht, Westphal, Verwaltungsbeamter Liebeknecht, Landwirtschaftsrat Breschke) entwickelt. In den ersten Planungen war übrigens wie bei vergleichbaren Schauen vor dem Krieg noch immer von einer „Jahresschau Deutscher Gartenkultur – JADEGA“ die Rede, erst Ende 1949, als die Planungen für Hannover konkreter wurden, begann man zunächst von einer „Bundesgartenbauausstellung“ zu sprechen und entschied sich schließlich im Februar 1950 auf Vorschlag des hannoverschen „Kuratoriums zur Vorbereitung der Schau“ zu einer Umbenennung in „Erste Bundesgartenschau Hannover 1951“– damit ist der noch heute geläufige Name „Bundesgartenschau“ in Hannover entwickelt worden.


Postkarte von 1951

Zwischen 1949 und 1951 mussten im Stadtparkgelände über 100 Bombentrichter verfüllt sowie Flakturmfundamente und Gebäudereste der JADEGA 1933 entfernt und insgesamt rund 30.000 Kubikmeter Erde für die Bodenmodellierungen bewegt werden. Der Boden wurde verbessert und es wurden Bäume, Hecken, Stauden, Blumenbeete und Rasen angelegt. Wie schon bei der JADEGA 1933 teilte sich das Gelände, getrennt durch die Clausewitzstraße, in einen östlichen – eher temporären – und den westlichen – dauerhaft angelegten – Bereich. Zwei Brücken sorgten für ungehinderte Verbindung.

Rudolf Hillebrecht sorgte in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten (in dem er selbst auch engagiert war) für qualitativ hochwertige Bauten von „handverlesenen Architekten“, zu denen Ernst Zinsser (1904-1985), Gerd Lichtenhahn (1910-1964), Dieter Oesterlen (1911-1994), Gerhard Graubner (1899-1970) und Ernst Brockmann (1920-1978) gehörten – im Baumeister (Zeitschrift für Baukultur und Bautechnik) erschien in der Juliausgabe 1951 ein Artikel zu den Bauten der BUGA. Von den drei letztgenannten haben sich die Baulichkeiten im Stadtpark erhalten – so das Rosencafé von Graubner, der Rosenpavillon von Oesterlen (nach Brand wiederaufgebaut) und die Glashalle von Brockmann, die bereits kurz vor der BUGA für die Textilmesse entstanden war.


Rosencafé von Gerhard Graubner und Wasserbecken von Karl Plomin 1951. Foto Birte Rogacki-Thiemann, 2026


In Zusammenarbeit mit der Kestner-Gesellschaft Hannover wurde auf dem BUGA-Gelände außerdem eine große Kunstschau aus 36 Skulpturen namhafter Künstlerinnen und Künstler zusammengestellt (hierzu gehörten während der NS-Diktatur verfemte Kunstschaffende wie Hans Uhlmann [1900-1975], Gerhard Marcks [1889-1981] und Renée Sintenis [1888-1965] ebenso wie NS-nahe Bildhauer wie Hermann Scheuernstuhl [1894-1982] und Ruth Meisner [1902-1973]) – man setzte hier neue Maßstäbe, die sich auch auf nachfolgende Gartenschauen auswirkten und auch für die Kunst im öffentlichen Raum in Hannover einen Anschub bedeuteten. Sechs der Exponate sind bis heute vor Ort vorhanden, andere fanden neue Aufstellungsorte.


Storchenreiher von Philipp Harth 1951. Foto Birte Rogacki-Thiemann_2026

Eröffnet wurde die BUGA am 28. April 1951 durch Elly Knapp-Heuss (1881-1952). Insgesamt kamen rund 1,6 Mio. Besucher, was einem täglichen Durchschnitt von 8.500 entspricht (mit einem Höhepunkt zur Rosensonderschau am 22.07.1951, zu der sich 38.215 Besucher*innen drängten), Ende Oktober 1951 schloss die Schau.

Mit der BUGA 1951 wurden die Grundstrukturen des heutigen Stadtparks erschaffen – vieles lässt sich bis heute erkennen, vieles ist erhalten geblieben. Trotz Nach- und Weiternutzungen ist die Erste Bundesgartenschau auch nach 75 Jahren hier absolut präsent.

Birte Rogacki-Thiemann

Dr.-Ing. Birte Rogacki-Thiemann hatte lange ein Büro für Historische Bauforschung in Hannover und arbeitet seit 2019 für das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. Sie kuratierte die aktuelle Ausstellung „75 Jahre Bundesgartenschau im Stadtpark Hannover“, die noch bis zum 13.09.2026 zu sehen ist.

Die Kolumne „Hannover historisch“ wird betreut von Prof. Dr. Carl-Hans Hauptmeyer (zu dessen frühesten Kindheitserinnerungen der Blumenkorso vom 5. August 1951 gehört).