Archiv des Monats: Januar 2026

Strategischer Kolonialrevisionismus im NS: Georg Thiemann-Groeg und das Dr. H. E. Göring-Kolonialhaus in Hannover


Während des Zweiten Weltkriegs bestand in der Jägerstraße 4 in Hannover ein Zentrum kolonialer Fantasien, das von nationalsozialistischen und kolonialrevisionistischen Kreisen gleichermaßen getragen wurde. Das ehemalige Wohnhaus jüdischer Geschwister wurde 1939 zum „Dr. H. E. Göring-Kolonialhaus“ umgebaut und sollte mit zwei Etagen öffentlicher Ausstellung und Unterrichtsräumen der „kolonialen Schulung“ und der Vorbereitung vermeintlicher Auswanderungen in frühere Kolonialgebiete dienen. Obwohl es nicht zur praktischen Umsetzung dieser nostalgischen Kolonialvorstellungen kam, stieß das Projekt auf breite Zustimmung und finanzielle Unterstützung durch die hannoversche Stadtverwaltung, NSDAP-Funktionäre, den Reichskolonialbund (RKB) sowie hannoversche Industrie und Wirtschaft.


Abb. 1: Die Außenfassade des Göring-Kolonialhauses (NLA HA, V.V.P. 17, Nr. 1739: Erster Jahresbericht der kolonialen Lehrschau und Schulungsstätte Dr. H. E. Göring-Kolonialhaus Hannover 1939/40. Foto: Wilhelm Hauschild)
Strategischer Kolonialrevisionismus im NS: Georg Thiemann-Groeg und das Dr. H. E. Göring-Kolonialhaus in Hannover weiterlesen